Nicht Fiktion hingegen sind die vielen Rolls-Royce- und Bentley Enthusiasten, die direkt vor meiner Haustür rund um München leben. So reifte Mitte vergangenen Jahres der Gedanke, einfach vor Ort einen Anlass zu organisieren. Mit von der Partie bei Planung und Ausarbeitung war Christoph Charitou, ein lieber Freund und frischgebackener Corniche III Besitzer.

 

Am 25. Oktober war es dann soweit. Unweit der bayerischen Landeshauptstadt trafen wir auf dem ehemaligen Gelände von Dornier in Unterpfaffenhofen zum Tagesausflug zusammen. Das Wetter meinte es gut: Hatte nur eine Woche zuvor noch der erste Schnee des Jahres für Absagen gesorgt, so zeigte sich der Himmel über dem „Bayerischen-5-Seen-Land“ an diesem Morgen zwar noch leicht bedeckt, jedoch trocken.

 

Angereist waren Enthusiasten aus allen Teilen Bayerns. Sogar aus Mitteldeutschland und Berlin waren Teilnehmer zu verzeichnen. Da der Event mangels Zeit leider keine große Ankündigung in der Schweizer Sektion hatte erfahren können, stellte unser frischgebackenes Mitglied Jürgen Lewandowski mit seiner Gattin und seinem jüngst erworbenen Continental R zunächst den einzigen Vertreter des helvetischen Departements dar. Dies sollte sich im Laufe des Tages jedoch noch ändern.

 

Besondere Aufmerksamkeit erregte zunächst ein kaffeebraunes Speed-Cabriolet der Bentley GT-Familie. Dieses war Teil der Sponsorenschaft, die Bentley Motors übernommen hatte. Doch auch die Teilnehmerfahrzeuge wurden höchst interessiert begutachtet und sorgten für ersten Gesprächsstoff. So entging es den aufmerksamen Herbst-Enthusiasten auch nicht, dass ein Silver Shadow ohne Heckstoßstange angereist war. „Sie ist einfac

h nicht mehr fertig geworden“, meinte der etwas bekümmerte Besitzer. „Aber deswegen auf den Anlass verzichten? Nie im Leben!“

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Ein weiterer Hingucker war ein französischer Facel, genau genommen eine Facellia. Das schnittige Coupé galt Anfang der 60er Jahre als kleines Schwesterchen der besonders luxuriösen, größeren Facel Vega Modelle. Und so offenbarte sich auch eine Besonderheit der Ausfahrt: Nicht nur Rolls-Royce- und Bentley Fahrzeuge waren herzlich eingeladen gewesen, sondern bewusst auch feine Exoten anderer Marken. Eben um im Rahmen der farbenfrohen Herbstausfahrt auch markenseitig für Abwechslung zu sorgen. Tatsächlich stehe ich auf dem Standpunkt, dass ein Blick über den Tellerrand mein autophiles Leben nur bereichern kann.

Über gewundene Sträßchen ging es gen Süden und vorbei an Kloster Andechs zum ersten Fotostop. Auf einer Wiese erfuhren die Fahrzeuge Aufstellung vor malerischem Hintergrund: Bei sich langsam hervorwagender Sonne glänzte im Westen der nahe Ammersee, während sich weiter südlich im sich lichtenden Dunst bereits der verschneite Alpenhauptkamm abzeichnete.

 

Über Murnau erreichten wir auf die Minute pünktlich unseren Mittagshalt, das Staatsgestüt Schwaiganger. Eingebettet in liebliche Voralpenlandschaft findet sich hier in einem parkähnlichen Grundstück ein Fachzentrum für Pferdezucht und -haltung. Und auch ein kleines Gasthaus, welches bereits auf unsere vierrädrige Entourage wartete. Zu unserer großen Freude funktionierte die Küche des kleinen Wirtshauses erstklassig und lieferte das preisgünstige wie schmackhafte Essen fast zeitgleich an alle Tische.

 

Nach der Stärkung kamen die Teilnehmer des Indian Summer Enthusiasts’ Meetings in den Genuss einer kleinen Dressurvorführung, bevor ein stolzer Phantom II alle Aufmerksamkeit bündelte. Der Besitzer der Limousine (Chassisnr. 133 GN), der Swiss Section Member Norbert Wollner, war aufgrund eines Problems mit dem AutoVac Benzinsystem erst zur Mittagszeit dazu gestoßen. Umso freundlicher präsentierte er uns das von Park Ward karossierte Fahrzeug, welches sogar noch über den originalen, dreiteiligen Kofferanbau am Heck verfügt!

 

Nächster Stop war das Bauernhofmuseum Glentleiten nahe des Kochelsees. Da wir fast 50 Personen waren, erfolgte bei nunmehr strahlendem Sonnenschein die Führung durch das Areal in zwei Gruppen. Harmonisch fügen sich die hierher verbrachten historischen Gehöfte, Stallungen und Wirtschaftsgebäude in die sanfte Hügellandschaft ein – gerade so, als hätten sie schon immer hier gestanden. Dabei wächst das Museum andauernd um neue Attraktionen!

 

Bei bester Fernsicht setzten wird anschließend die Fahrt über die Kesselbergstraße zum Walchensee hinauf fort, um nach dem Geigenbauort Mittenwald ins Elmauer Tal abzubiegen. Über eine Mautstraße war alsbald der Endpunkt unserer Ausfahrt erreicht, das Luxus-Alpenresort Schloss Elmau, gelegen am oberen Ende eines nahezu unberührten Hochtals. Im Schatten der mächtigen Wettersteinwand verwöhnte uns nun wahres Indian-Summer-Feeling, verursacht durch farbenfrohe Laubverfärbungen des dichten Mischwaldes.

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Herzlich empfangen vom Hotelpersonal durften wir unsere Fahrzeuge in der rechteckigen Auffahrt direkt vor dem Eingang des Hauses parkieren. Im Anschluss hatten die Teilnehmer des 1. Indian Summer Enthusiasts’ Meetings die Möglichkeit, den geschmackvoll eingerichteten Wellnesstempel in mehreren kleinen Gruppen zu erkunden, bevor ein Champagnerempfang, ausgerichtet durch das Hotel, den Tag würdig ausklingen ließ.

Abgerundet wurde der Abend durch die Überreichung einer Bentley-Präsenttüte an jedes der Indian-Summer-Teams. Darin unter anderem enthalten das neueste Bentley-Brand-Book, handgefertigte Pralinen der Münchner Confiserie Opaque sowie eine Erinnerungstasse und Geldscheinklammer vom Geschenkfachmann Simbeck Systems. Eine herzlichen Dank an dieser Stelle unseren Sponsoren, die es uns maßgeblich ermöglichten, diesen Tag so attraktiv zu bereichern, ohne eine Teilnahmegebühr erheben zu müssen.

 

Die große positive Resonanz ist nun Anlass, über eine 2. Runde des Indian Summer Enthusiasts’ Meetings nachzudenken. Vielleicht dann bereits mit einer oder zwei Übernachtungen, sodass auch Teilnehmer mit längerer Anreise stressfrei dabei sein können.

 

Ich würde mich auf jeden Fall freuen, auch Sie und Euch, liebe Schweizer Freunde, beim nächsten Indian-Summer-Enthusiasts’ Meeting im schönen Oberbayern begrüßen zu dürfen.

Es grüßt ganz herzlich Ihr und Euer Clubfreund aus der bayerischen Diaspora,
Ulrich J. Lehmann.

 

Bild und Text von Ulrich J. Lehmann www.pressman.de